Plan-Insolvenz und Neustart

Plan-Insolvenz und Neustart
Plan-Insolvenz und Neustart: copyright by: R_K_by_Thorben Wengert_pixelio.de

Plan-Insolvenz und Neustart
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Probleme zu lösen, ist für Selbständige Alltag. Unternehmenskrisen (und leider manchmal auch Firmenpleiten) gehören zum Wirtschaftsleben. Daher sollte man sich als Unternehmerin oder Unternehmer nicht allein mit der Frage beschäftigen, ob das Unternehmen in eine Krise kommt (denn dies können nur sehr wenige Unternehmen lebenslang vermeiden). Die Frage ist vielmehr: Wie geht man mit der Krise um? Fachleute sind sich einig:

Je früher insolvenzgefährdete Unternehmen Beratungs- und Unterstützungsangebote nutzen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sanierungsbemühungen erfolgreich sind.

Unternehmen, die durch die Wirtschafts- und Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten sind, sollten mit ihrer Hausbank oder einem Berater prüfen, ob sie die Finanzierungs- und Bürgschaftsangebote des „Wirtschaftsfonds Deutschland“ nutzen können (s. Seite II). Anstelle eines aktiven Krisenmanagements vertrauen ansonsten viele Unternehmerinnen und Unternehmer zu lange auf das „Prinzip Hoffnung“ und verlieren so kostbare Zeit im Kampf um die Rettung des Unternehmens und den Erhalt von Arbeitsplätzen. Wenn auch die Programme aus dem „Wirtschaftsfonds Deutschland“ keine Lösung bieten, gilt Folgendes:

Je früher ein Insolvenzantrag ins Auge gefasst wird, desto größer kann die Chance auf einen Neuanfang sein.

Wie kommt es zu Unternehmenskrisen?

Unternehmenskrisen sind selten unvermeidliches Schicksal. Sie resultieren meist aus (vermeidbaren) Fehlern, z. B.:

  • Mängeln in Planung und (Markt-) Information
  • ungenügender Berücksichtigung der Marktentwicklungen
  • Fehlern bei der Gestaltung des Produkt- bzw. Dienstleistungsprogramms
  • Fehlentscheidungen bei der Standortwahl
  • Fehlentscheidungen bei der technologischen Ausstattung und Rohstoffsicherung
  • unzureichender Personalplanung und -führung
  • mangelhafter finanzieller Ausstattung (z. B. zu wenig Eigenkapital)
  • mangelhaftem Liquiditäts- und Kreditmanagement
  • Wichtig ist daher: Lassen Sie sich bei Unternehmenskrisen unbedingt beraten.

Wie kommt es zu Insolvenzen?

Ein fehlendes oder unzureichendes Krisenmanagement ist häufig die Ursache dafür, dass z.B. aus Zahlungsschwierigkeiten eine Zahlungsunfähigkeit wird. Dann ist eine Insolvenz mit einer anschließenden Liquidation des Unternehmens oft nicht mehr abzuwenden.

Für die meisten insolventen Unternehmen gilt: Sie haben nur wenige Mitarbeiter und machen geringe Umsätze. Gerade neu gegründete Unternehmen haben ein höheres Insolvenzrisiko, da sie noch dabei sind, sich ihren Markt zu erschließen. Viele Gründer unterschätzen Dauer und Kosten einer erfolgreichen Marktetablierung. Mit (zu) wenig Eigenkapital geht ihnen häufig „die Luft aus“, bevor das Unternehmen überhaupt „in Fahrt“ gekommen ist.

Aber auch Kapitalgesellschaften haben ein besonderes Insolvenzrisiko, da sie aufgrund ihrer Haftungsbegrenzung nur sehr eng bemessene zeitliche und rechtliche Möglichkeiten haben, eine Zahlungsstockung bzw. -unfähigkeit oder eine (drohende) Überschuldung aus eigener Kraft zu beheben. Geschäftsführer bzw. Vorstände einer Kapitalgesellschaft müssen unter bestimmten Voraussetzungen einen Insolvenzantrag stellen.

Was bedeutet eine Insolvenz?

Insolvent sein bedeutet, zahlungsunfähig oder überschuldet zu sein, also z. B. Rechnungen von Lieferanten oder Löhne der Angestellten nicht mehr fristgemäß oder im schlimmsten Fall gar nicht mehr bezahlen zu können. Was bei einer bestehenden oder drohenden Zahlungsunfähigkeit bzw. bei Überschuldung zu tun ist, ist abhängig von der Rechtsform des Unternehmens und seiner konkreten Situation:

  • Kapitalgesellschaften (z. B. GmbH) sind insolvenzantragspflichtig. Liegt ein Insolvenzeröffnungsgrund vor, bleibt nur eine Frist von höchstens drei Wochen, um den Insolvenzeröffnungsgrund zu beseitigen. Gelingt dies nicht, ist die Geschäftsführung gesetzlich dazu verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen.
  • Selbständige, die als (ehemalige) Einzelunternehmer/innen oder (ehemalige) Gesellschafter/innen einer Personengesellschaft persönlich für entstandene Verbindlichkeiten haften, können einen Insolvenzantrag wegen (drohender) Zahlungsunfähigkeit stellen. Die Frage ist im Einzelfall, ob (bzw. wann) eine Insolvenzantragstellung zur Schuldenregulierung sinnvoll ist.

Ziel eines Insolvenzverfahrens ist in erster Linie, die Gläubiger zu befriedigen. Ziel kann auch sein, das Unternehmen mit Hilfe des Insolvenzverfahrens zu sanieren, soweit dadurch die „Befriedigungsaussichten der Gläubiger“ nicht verschlechtert werden. Dem redlichen Schuldner soll darüber hinaus die Gelegenheit gegeben werden, sich von restlichen Verbindlichkeiten zu befreien.

Liquidation, Sanierung oder Neustart?

Viele Unternehmer verstehen unter „Insolvenz“ immer noch ausschließlich die „Liquidation“ des Unternehmens. Sie verkennen dabei, dass das betroffene Unternehmen z. B. mithilfe eines Insolvenzplans auch saniert werden kann.

Dass die bestehenden Möglichkeiten zur Sanierung eines Unternehmens bisher nur unzureichend genutzt werden, liegt auch daran, dass die meisten Unternehmen eine rechtzeitige Insolvenzantragstellung scheuen und zunächst versuchen, die Unternehmenskrise ausschließlich aus eigener Kraft zu lösen. Leider kostet dieser Versuch häufig nicht nur kostbare Zeit, sondern auch genau die Liquidität sowie das verbliebene Vertrauen von Kunden und Lieferanten, Mitarbeitern und Kreditgebern, das für eine Sanierung im Insolvenzverfahren so wichtig ist.

Ob im Insolvenzverfahren ein Unternehmen liquidiert wird, ob die Unternehmerin oder der Unternehmer die selbständige Tätigkeit beendet oder wieder aufnimmt, ob es Möglichkeiten gibt, das Unternehmen durch eine so genannte übertragende Sanierung oder mithilfe eines Insolvenzplans zu retten: All dies wird letztendlich vom Insolvenzverwalter und den Gläubigern entschieden. Maßstab für solche Entscheidungen ist immer die Antwort auf die Frage: Unter welchen Voraussetzungen können die Gläubiger bestmöglich befriedigt werden?

(Quelle: GründerZeiten 14, BMWi, Berlin)

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