ERASMUS for Young Entrepreneurs Berlin/Brandenburg

ERASMUS for Young Entrepreneurs Berlin/Brandenburg

ERASMUS for Young Entrepreneurs Berlin/Brandenburg

Man sollte die Chancen sehen

Björn Baugatz

Björn Baugatz
Projektmanager bei der STIC Wirtschaftsförder-gesellschaft Märkisch-Oderland mbH in Strausberg

Interview mit Björn Baugatz, Projektmanager bei der STIC Wirtschaftsfördergesellschaft Märkisch-Oderland mbH in Strausberg, zu den Erfahrungen mit dem Austauschprogramm “ERASMUS for Young Entrepreneurs Berlin/Brandenburg”:

Herr Baugatz, seit nunmehr fast zwei Jahren haben Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer aus Berlin und Brandenburg die Möglichkeit, zusammen mit anderen Unternehmen in Europa zu arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln und Netzwerke zu knüpfen. Dafür sind deutsche Unternehmer zu Gast im Ausland, oder ausländische Unternehmer kommen zu Gastgebern nach Deutschland. Dabei werden sie durch das EU-Programm “ERASMUS for Young Entrepreneurs” (EYE) gefördert. So weit die Theorie. Funktioniert das Programm in der Praxis?

Baugatz: Soweit wir das zum jetzigen Zeitpunkt beurteilen können: Ja. Dazu muss man wissen, dass sowohl die die Gast- als auch die Gastgeber-Unternehmen gut vorbereitet sind. Sie tauschen sich vorher aus und wissen darum, worauf sie sich einlassen. Dafür bringen sie vor dem Start der eigentlichen Zusammenarbeit eine Vereinbarung zu Papier. In der steht, welches die Ziele des Austausches sind, was gemacht werden soll während der Zeit, welche Aufgaben der Gastgeber hat und welche der Gast.

Welche Erfahrungen haben die deutschen die deutschen Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer denn bisher gemacht?

Baugatz: Die, die z.B. ein Restaurant eröffnen wollen, lernen die Küche des Gastlandes kennenlernen. Oder wir hatten jemanden, einen Produktdesigner, der nach London gegangen ist, weil sich da die Szene für Produktdesign versammelt. Und dort in London hat er ein Studio gefunden, mit dem er arbeiten und von dem er noch viel lernen konnte. Eine unserer ersten Teilnehmerinnen wollte nach Italien, zu einem Verlag. Sie selbst arbeitet für Verlage, macht Illustrationen und wollte das ganze Drumherum der Buchproduktion mal kennenlernen. Jetzt kennt sie es und kann sehr viel besser auf zukünftige Kunden eingehen. Naja, und die allermeisten finden natürlich Geschäftspartner oder neue Kunden im Ausland. Sie lernen den Markt kennen, lernen, wie die Geschäftsleute und die Kunden ticken und wie man mit Geschäftspartnern umgehen und verhandeln sollte.

Über wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprechen wir hier eigentlich? Wie viele sind weggegangen? Wie viele sind gekommen?

Baugatz: Insgesamt haben wir 21 abgeschlossene Austausche, acht laufen zurzeit noch. Insgesamt also 29. Davon sind 18 Gastunternehmer und elf, die weggegangen sind. Also: Den größten Teil der Teilnehmer machen diejenigen aus, die einen ausländischen Gast aufnehmen. Dass es nicht mehr sind liegt auch daran, dass das Programm noch nicht so bekannt ist. Wir machen zwar Werbung, und auch die Medien berichten immer mal wieder über uns. Aber nur wenige kennen ERASMUS für Jungunternehmer. Ein anderes Problem ist: Es ist halt für Jungunternehmer immer schwer mit dem Weggehen. Wer gerade am Anfang der Gründung steht, der kann nicht einfach für eine Weile weggehen und sein vielleicht gerade frisch gegründetes Unternehmen zurücklassen.

Und wohin sind die gegangen, die trotzdem die Reise ins Ausland angetreten haben?

Baugatz: Vor allem nach England, Frankreich und Italien. Aber auch nach Irland oder Österreich. Und Holland. Das sind so die Hauptländer.

Aus welchen Ländern kommen die Gäste?

Baugatz: Zum überwiegenden Teil aus Süd- und Osteuropa, aber wir haben auch Gäste aus England und Holland begrüßen dürfen.

Was lernt man denn als Gastgeber, wenn jemand als Gast-Unternehmer kommt?

Baugatz: Bei vielen Firmen, die dabei waren, Architekturbüros, eine Werbeagentur, ein kleiner Verlag oder auch eine Online-Sprachenschule: Da weht natürlich dann ein frischer Wind. Vor allem wenn man schon länger am Markt ist, ist alles ein bisschen eingefahren. Und dann kommt dieser Blick von außen, vielleicht von jemandem, der frisch aus dem Studium kommt. Der hat noch zwar nicht so viel Erfahrung, aber er kann vielleicht neue Techniken mit einbringen. Und er kann erzählen, wie das Business  zu Hause läuft. Und daraus entsteht später vielleicht auch eine Kooperation.

Welchen Tipps würden Sie ERASMUS-Interessenten geben?

Baugatz: Ich glaube, viele in Frage kommende Gründer und Jungunternehmer haben Scheu, ins Ausland zu gehen, was Neues zu machen. Sie sehen nicht die Chancen, die in einem Austausch stecken. Deswegen nutzen auch noch zu wenige Leute dieses ERASMUS-Angebot. Mein Tipp: Man sollte offen sein. Damit meine ich: offen für ein ganz anderes Lebensgefühl, das man im Ausland erlebt oder das die Gäste mitbringen und das sich auch in ihrer Art, ihre Selbstständigkeit zu leben, bemerkbar macht. Zu dieser Offenheit gehört dann noch etwas: Man kann bei diesen Austauschen zwar alles gut planen, man stimmt sich vorher mit dem Gastunternehmer telefonisch ab und legt die Arbeitspunkte fest – aber ob es dann in der Praxis auch so eintritt? Ob man sich sympathisch ist oder nicht, merkt man erst später. Wir hatten beispielsweise den Fall, wo eine Jungunternehmerin, die hier im Raum Berlin französische Landhausküche anbieten will, nach Frankreich gegangen ist. Sie hatte ein Gastunternehmen gefunden, ein sehr gehobenes Hotel, gehobene Küche. Sie ist aber mit dem Arbeitsumfeld und der Art der Kommunikation nicht klargekommen. Dafür muss man wissen: In einer solchen Hotelküche geht es immer sehr rau zu, die Arbeitsweise ist hektisch, gerade wenn Stress ist. Hat nicht geklappt. Das hat sie zum Glück gemerkt, bevor alle Abmachungen in trockenen Tüchern waren, bevor es also richtig losging. Daher konnte sie ihren Gastgeber noch wechseln. Das wurde dann der Betreiber eines kleinen französischen Restaurants. Und mit dem war sie sehr glücklich und auch zufrieden mit den Ergebnissen des Austauschs.

Hintergrund

Das grenzüberschreitende Austauschprogramm Erasmus für Jungunternehmer bietet neuen bzw. angehenden Unternehmern die Möglichkeit, von einem erfahrenen Unternehmer zu lernen, der in einem anderen EU-Land ein kleines bzw. mittelständisches Unternehmen leitet. Der Aufenthalt bei einem erfahrenen Unternehmer ermöglicht den Erfahrungsaustausch und hilft dem neuen Unternehmer beim Erwerb der nötigen Fähigkeiten zur Leitung eines Kleinunternehmens. Der Gastunternehmer profitiert von einer neuen Perspektive auf sein eigenes Unternehmen und hat die Möglichkeit, neue Geschäftsbeziehungen zu knüpfen und neue Märkte kennen zu lernen. Die Reise- und Aufenthaltskosten werden von der Europäischen Union bezuschusst. Dieses Programm bietet einen großen Mehrwert für Ihr Unternehmen – egal, ob Sie ein neuer oder sehr erfahrener Unternehmer sind: Sie profitieren beispielsweise vom Wissens- und Erfahrungsaustausch, europaweiten Kooperationsmöglichkeiten, neuen Geschäftsbeziehungen und erleichtertem Zugang zu ausländischen Märkten.

Ansprechpartner in Brandenburg:

Quelle: Gründungsnetz Brandenburg

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